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Buchtipp




Medien des Monats September 2015

ausgewählt von Maria Fellinger

Buchtipp:
Das menschliche Gleichgewicht

von Margit Schreiner
Verlag Schöffling & Co, 2015; 232 Seiten; ISBN: 3895612804
  Buchtipp:
Ein Bild von Hilda als toter Mensch

von Walter Kohl
Picus Verlag; 2015; 181 Seiten; ISBN: 3711720250
  Buchtipp:
Wir können doch nicht alle nehmen

von Livia Klingel

Verlag Kremair & Scherriau; 2015; 176 Seiten; ISBN: 3218009685
         
Was ein erholsamer Sommer auf einer kroatischen Insel werden sollte, wird schließlich für alle Beteiligten zu einer ziemlich anstrengenden Auseinandersetzung mit höchst bedrohlichen Wirklichkeiten und zum Ende lieb gewordener Gewohnheiten.
Gerade als die Erzählerin mit ihrem Mann, einem befreundeten Paar und zwei jungen Frauen zum alljährlichen Inselurlaub aufbrechen will, steht Sarah mit ihrem Hund vor der Tür und bittet um Aufnahme. Kurz entschlossen werden beide mit auf die Insel genommen, wo erst einmal die Erzählerin mit dem tragischen Schicksal des Mädchens konfrontiert wird. Sarahs Eltern wurden in Israel ermordet, ihr jüngerer Bruder beging Selbstmord.
Schreiners Roman spielt abwechselnd auf zwei Erzählebenen, die sich zunehmend miteinander verbinden, weil alle Urlauber ihre je eigene Beziehung zu der neuen Mitbewohnerin aufbauen, wodurch das Gleichgewicht neu austariert werden muss.
Margit Schreiners Stärke ist ihre gewohnt klare Sprache, mit der sie die Fragilität menschlicher Beziehungen in Worte fasst.
  Das Bild seiner Mutter, das sich im Kopf des Erzählers vor Jahrzehnten eingebrannt hat, ist das einer nahezu unsichtbaren Frau. Nach ihrem Tod macht Charly sich auf, um ein gültiges Mutterbild zu zeichnen und herauszufinden, wer diese Frau war, deren Leben nach außen hin gänzlich unspektakulär und ereignislos verlaufen war.
Auf mehreren Ebenen lässt Walter Kohl seinen Erzähler in die Lebensgeschichte seiner Mutter und damit in die Zeitgeschichte eintauchen. Das ist mühsam und schmerzhaft für den Sohn, vor allem deshalb, weil er seinen Erinnerungen an Hildas Erzählungen nicht recht glauben will und weil sich immer mehr Ungereimtheiten in der Familiengeschichte auftun, je tiefer er in die Geschichte eindringt.
Walter Kohl ist mit diesem Buch nicht nur eine beeindruckende und berührende Mutter-Sohn-Geschichte gelungen, sondern auch ein exemplarisches Bild wahrscheinlich nicht weniger "unscheinbarer" Frauen dieser Generation.
  Livia Klingl greift ein heißes Eisen an. Die zentrale These der Autorin, die mehr als 20 Jahre Kriegs- und Krisenberichterstatterin und neun Jahre Leiterin des Außenpolitikressorts im Kurier war: Es ist nicht nur humanitäre Pflicht und geltendes Gesetz, Flüchtlinge aufzunehmen, es ist auch sinnvoll, ja notwendig, Zuwanderung zuzulassen.
Aus reinem Eigennutz ist es hoch an der Zeit für eine neue Ausländerpolitik. Eine, die es Flüchtlingen ermöglicht, in einem solidarischen Europa ein neues Leben in Frieden zu finden und den Wirtschaftsmigranten einen geordneten Zuzug erlaubt - der letztlich auch uns zugutekommt. Denn sinkende Geburtenraten und steigende Lebenserwartung sind Faktoren, die den Wohlstand und das Sozialsystem ins Wanken bringen.
Eine Pflichtlektüre, um Argumente gegen rechte Hetzer zu haben.

 

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zuletzt aktualisiert: 17.9.2015  |  URL dieser Frameseite: http://www.goldwoerth.bvoe.at