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Buchtipp




Buchtipp des Monats Oktober 2003

von Maria Fellinger-Hauer

Friedrich Ch. Zauner: Das Ende der Ewigkeit

Band 1: Im Schatten der Maulwurfshügel;
Band 2: Und die Fische sind stumm;
Band 3: Früchte vom Taubenbaum;
Band 4: Heiser wie Dohlen.


Grünbach: Edition Geschichte der Heimat, 1992 - 1996.

Ein "Jahrhundertwerk" nennt die Zeitschrift "Literatur und Kritik" den in der Edition Geschichte der Heimat in den 90er Jahren erschienen vierbändige Roman "Das Ende der Ewigkeit".
Der in seinem Geburtsort Rainbach im Innkreis lebende Schriftsteller Friedrich Ch. Zauner, Jahrgang 1931, hat auf 1000 Seiten die Chronik eines abgelegenen Landstrichs im Innviertel in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beschrieben.
"Was dabei herausgekommen ist, der Zyklus "Das Ende der Ewigkeit", hat in der österreichischen Gegenwartsliteratur kaum einen Vergleich und ist gewiß eine ihrer spannendsten Unternehmungen", meint der Literaturkritiker Karl-Markus Gauß.
In der Silvesternacht des Jahres 1900 wird dem Wirt im Thal eine Tochter geboren. Kurz vorher noch findet er auf dem Weg zur Hebamme einen fremden Buben, halb erfroren im Schnee. Die Lebens- und Liebesgeschichte von Theres, der Wirtstochter und Maurits, dem Findelkind, dessen Herkunft sich nie klärt, ist der inhaltliche Strang der vier Romane. Er zieht sich von der Silvesternacht des Jahres 1899 bis zum ,Anschluss' an das Großdeutsche Reich. Mit den beiden Hauptpersonen durchlebt der Leser, die Leserin vier Jahrzehnte des Lebens in einer ländlichen Region, die von Kargheit und Kampf ums tägliche Überleben gekennzeichnet ist.
Die Menschen leben in einer seit Ewigkeiten festgefügten Ordnung, scheinbar weit weg vom Weltgeschehen, doch keineswegs unberührt von diesem. Denn es finden Umbrüche statt, an denen die Ewigkeit schließlich zerbricht.
Der erste Band "Im Schatten der Maulwurfshügel" setzt um 1900 ein, der zweite "Und die Fische sind stumm" behandelt die Periode des Ersten Weltkriegs und das Ende der Habsburger Monarchie. Der dritte Band "Früchte vom Taubenbaum" erzählt vom Leben der Bauern in der verzweifelten Situation der Nachkriegszeit im verbliebenen Rest-Österreich, an dessen wirtschaftliches und politisches Überleben keiner so recht glauben mochte. Der abschließende vierte Band mit dem Titel "Heiser wie Dohlen" zeigt die Menschen in den politisch schwierigen 30er Jahren und im aufkeimenden Faschismus.
Ungemein genau und mit viel historischem Wissen beschreibt Zauner die handelnden Personen. Männer, Frauen und Kinder, die wenigen Reichen und die vielen Habenichste, ihr Zusammen- und ihr Nebeneinanderherleben, ihre Abhängigkeiten, ihre Eigenständigkeit, ihre Zuneigung und ihr Haß, ihre Feindseligkeiten und ihre Geheimnisse, ihre Wünsche und Sehnsüchte, ihre Schwierigkeiten und ihre Freiheit, ihr täglicher Lebenskampf und ihre Lebensfreude nehmen in den Protagonisten Gestalt an.
Zauner beschönigt nicht, er erklärt auch nicht. Er beschreibt und läßt so eine Vielfalt des scheinbar einfachen Landlebens lebendig werden. Das ist immer wieder überraschend und spannend.
Wird alles gut, wenn alles besser wird? Sind wir die Besseren, wenn alles gut geht? Das sind Fragen, die sich bei der Lektüre unweigerlich stellen.
Faszinierend ist der Reichtum der Sprache. Zauner verwendet zwar eine Kunstsprache und doch ist es, als hätte er den Leuten aufs Maul geschaut. Da ist kein Dialog, der gekünstelt klingt. So wie Zauners Figuren reden, haben die Leute in Thal, im Pirat und der Toiflau und wie die Dörfer alle heißen, ohne Zweifel geredet und reden zum Teil noch immer so.
Darüber hinaus ist der Text geradezu eine Fundgrube für alte Redensarten und Floskeln und besitzt ein reichhaltiges Repertoire an Flüchen aller Art. Dass der Autor die anfangs versuchte Erklärung alter Ausdrücke aufgegeben hat, ist ein Gewinn für den Text.
1000 Seiten, die man unbedingt lesen sollte, ein absoluter Lesegenuß.




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zuletzt aktualisiert: 30.12.2011  |  URL dieser Frameseite: http://www.goldwoerth.bvoe.at