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Buchtipp




Buchtipp des Monats September 2004

von Edith Tisler

Henning Mankell: Das Auge des Leoparden.

Zsolnay Verlag. Februar 2004. 379 S.

Eigentlich wollte Hans Olofsen nur eine kurze Reise nach Afrika unternehmen, um den Traum einer verstorbenen Freundin zu verwirklichen.
Doch statt in Uppsala sein Jurastudium zu beenden übernimmt er in Lusaka die Hühnerfarm einer Engländerin, deren Mann im Busch verschollen ist. Er versucht eine bessere Beziehung zu den schwarzen Arbeitern auf seiner Farm aufzubauen und verfolgt ehrgeizige Reformpläne. Hans baut neue Häuser für die Schwarzen, bezahlt höhere Löhne und richtet ihren Kindern eine neue Schule ein.
Doch bald muss er erkennen, dass sich das Misstrauen nicht so leicht aus der Welt schaffen lässt und die Opposition gegen die Weißen im Land immer stärker wird.
Als der Hass eskaliert und seine weißen Nachbarn von der "Bewegung der Leoparden" massakriert werden, erkennt er, dass auch ihm Gefahr droht. Der Mann, den er für seinen einzigen schwarzen Freund gehalten hat, wird zu seinem Feind, da dieser ihn aus Idealismus zu töten versucht. Parallel zu diesen Schilderungen wird der Leser immer wieder nach Schweden in die Welt des heranwachsenden Buben geführt. Wir erfahren von einer Kindheit, die vom frühen Wegzug seiner Mutter, dem Alkoholismus seines Vaters und seiner Sehnsucht nach der großen weiten Welt geprägt ist.
In Schweden bereits 1990 erschienen, stammt es aus der Zeit vor der erfolgreichen Wallander-Serie - aber trotzdem besticht es durch seine klare, bildhafte Sprache, die Ausdruckskraft und nebenbei durch einen bemerkenswerten Informationsgehalt, nicht zuletzt das Thema Afrika betreffend.
Mankell ist es ein Anliegen, auf soziale und gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen. Themen wie Ausbeutung der Schwarzen durch die Weißen, Fehlplanungen in der Entwicklungshilfe bleiben nicht verschont.
Ein grenzenloses Vertrauen oder Freundschaften zwischen Europäern und Afrikanern scheinen wegen des über lange Zeit aufgestauten Misstrauens kaum möglich.

Ein nach wie vor weltpolitisch hochaktuelles Thema.


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zuletzt aktualisiert: 30.12.2011  |  URL dieser Frameseite: http://www.goldwoerth.bvoe.at