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Buchtipps für Kinder


Buchtipp September 2003

von Maria Fellinger-Hauer

Disteltage von Renate Welsh

Nach der Scheidung der Eltern eskaliert für die 13jährige Sarah die ohnehin schon schwierige Situation.
Ihre Mutter stürzt in eine schwere Depression. Sie ist nicht mehr in der Lage, ihrer Arbeit nachzugehen und den Haushalt zu versorgen Und das Schlimmste für Sarah: die Mutter verbietet ihr, auch nur ein Wort über ihren Zustand, der nicht als Krankheit ausgewiesen wird - sie sei nicht krank, beteuert sie dem Kind -, zu verraten.
Denn sie kennt die Gesellschaft und meint zu wissen: wer psychisch aus dem Gleichgewicht gerät, wer aus Überforderungen zusammenbricht, für den hat die Gesellschaft kein Verständnis. Wer nicht stark genug ist, verliert als erster seinen Arbeitsplatz. Wer überfordert ist, macht sich zum Gespött.
Nicht genug, dass die Hausarbeit an der 13-jährigen hängenbleibt, sie ist auch noch allein damit und hat niemanden, mit dem sie reden könnte. Was sagt sie dem Chef, der jeden Tag anruft und sich nach dem Befinden der Mutter erkundigt? Was der Lehrerin, die wissen will, ob die Mutter zum Elternabend kommt. Der Vater, der sich ohnehin von der Familie getrennt hat, ist geschäftlich unterwegs, die Oma hat wichtigeres zu tun, sie macht Urlaub.
Unter dem Druck des Schweigens und der Angst wegen der Veränderungen ihrer Mutter, verschließt sich Sarah ihren Freunden/innen in der Schule immer mehr, und erst als sie gar keinen Ausweg mehr findet und die zufällige Begegnung mit dem Hausarzt der Familie es unvermeidlich macht, bricht sie den Bann des Schweigens.
Jetzt kann ein Prozeß beginnen, in dem alle lernen (müssen), sich mit der psychischen Krankheit von Sarahs Mutter auseinanderzusetzen. Um der Mutter bei der Geheimhaltung ihres Zustandes zu helfen, beginnt auch Sarah, sich vollkommen zurückzuziehen.
In einer sehr behutsamen, ehrlichen und bildreichen Sprache nähert sich Renate Welsh der heiklen Materie aus der Sicht des 12jährigen Mädchens. Mit ihrer genauen Beschreibung gelingt es der Autorin, die Depression zu enttabuisieren und als Krankheit zu beschreiben. Leichtfertige Vorurteile werden schwieriger. Die Geschichte zeigt aber auch, wie ein Kind in einer schwierigen Situation über sich selbst hinauswächst und Probleme meistert.
Ein wichtiges Buch.


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zuletzt aktualisiert: 30.11.2011  |  URL dieser Frameseite: http://www.goldwoerth.bvoe.at